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大都會 Metropolis in Hong Kong

2010 April 10

Am 1. April 2010 fand die Asienpremiere der neurestaurierten Fassung von Metropolis im Hong Konger Cultural Center statt. Eingebettet in das 34. Hong Kong International Film Festival (HKIFF), präsentierte das Goethe-Institut  Shanghai diese Vorführung der fast vollständigen Original-Premierenfassung des wohl bekanntesten deutschen Films. Die Hong Kong Sinfonietta unter der Leitung von Frank Stobel begleitete den Film live mit der originalen Filmmusik von Gottfried Huppertz.

Nun bin ich mir recht sicher, dass ich dieser abermaligen Veröffentlichung einer erneuten Restaurationsfassung von Metropolis keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätte, wäre ich in Deutschland. Aber im Ausland verstärken sich nun mal die Eindrücke, besonders jene, die mit der eigenen (Film-)Kultur zu tun haben. Die Premiere selbst wurde hier in Hong Kong erstaunlich groß gefeiert. Die vergleichsweise teuren Eintrittskarten waren schnell vergriffen und das Festival bewarb den Film als Höhepunkt im Programm, begleitet von einer ganzen Reihe an Zusatzveranstaltungen und Seminaren.

Nun könnte ich hier lang und breit über die Geschichte von Metropolis, dessen Bedeutung und Einfluss auf die globale Filmkultur als solche sowie dem Restaurationsprozess referieren, aber das würde nun wirklich den Rahmen eines Blogeintrags sprengen. Daher werde ich mich mehr auf meine eigenen Eindrücke und Erlebnisse während der Metropolis-Tage in Hong Kong konzentrieren.

Die Premiere selbst war ein wahres Erlebnis. Der Film präsentierte sich mir nun in einem vollkommen neuen Licht. Er ist bei weitem kein Sciencefiction-Film mehr, in dem es sich um einen wütenden Roboter dreht. Vielmehr entfaltet sich ein ganzer Mikrokosmos der deutschen Gesellschaft in den 1920ern sowie allem was technisch und artistisch im damaligen Filmschaffen möglich war. Anhand der neuergänzten Szenen habe ich einen vollkommen neuen Film erlebt. Ein Film, der in der Fassung von 2001 sowie in der alten verstümmelten amerikanischen Fassung kaum zu erschließen war.

Im Anschluss an die Premierenaufführung gab es noch eine Frage-Antwort-Stunde mit dem Dirigenten Frank Stobel und dem Leiter der Restaurationsarbeiten Prof. Martin Koerber (HTW Berlin). Allerdings stellte sich anhand der Fragen der einheimischen Filmfans schnell heraus, dass viele den Film zum ersten Mal sahen und somit kaum Vorbildung zum deutschen Film der 1920er Jahre hatten. Leicht entsetzt über manche wirklich zweifelhafte Interpretationen, fanden Strobel und Koerber unbeirrt stets eine eloquente und sachliche Antwort.

Metropolis & Confucius

Symposium on Film: v.l. Richie Lam (Leiter HK Filmarchiv), Prof. Martin Kroeber (HTW Berlin), Togichi Akira (Japan National Film Center), Sam Ho, Edward Tse, Koven Lo (HK Filmarchiv)


In den darauffolgenden Tagen fanden mehrere Seminare und auch ein Symposium über Restauration im Film im Hong Konger Filmarchiv statt. Koerber referierte hier wieder über den Prozess von Metropolis, die Szeneentwicklungen in den einzelnen Stadien der vorhandenen Fassungen und zeigte auch mehrere Filmbeispiele. Restaurationsexperten des Filmarchivs selbst stellten ihr eigenes Prestigeprojekt vor: Fei Mu’s Confucius (1940). Confucius wird als einer der wichtigsten chinesischen Filme gehandelt und galt bis vor einigen Jahren noch als hoffnungslos verschollen. Von einem privaten Spender bekam man zufällig eine fast vollständige Version des Films und arbeitete seitdem an der Rekonstruktion. Im vergangenen Jahr konnte das erste Ergebnis  auf dem HKIFF präsentiert werden. Dieses Jahr nun konnte man den Film in der 2. Phase bewundern. Der Wiederherstellungsprozess dauert jedoch noch an.

In den Seminaren, welche fast ausschließlich von Fachgelehrten und speziell interessiertem Publikum besucht waren, wurde eines schnell klar: Hong Kong ist kein guter Platz für das Archivieren von Filmen. Dem hiesigen tropischen Klima fielen schon viele Filmwerke zum Opfer. Auch sind die daraus resultierenden Kosten für die Archivierung und Restauration immens. Confucius wird z.B. in Italien rekonstruiert, da es einfach an fachlichem Personal und Einrichtungen in der Stadt mangelt. Auch war Filmrestauration und sogar -archivierung noch bis Ende der 1990er Jahre kaum ein Thema in der hiesigen Filmindustrie. Erst mit der Gründung des jungen Filmarchivs 2001 wurde ein filmhistorisches Gewissen in der Stadt etabliert.

Ein ständiger Begleiter all dieser Veranstaltungen war der berühmte Filmwissenschaftler David Bordwell, welcher seine Eindrücke sowie ein kurze Analyse hier schildert:  http://www.davidbordwell.net/blog/?p=7652

Wer mehr Informationen zur Metropolis-Restauration möchte, sollte diese Links nicht verpassen:

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  1. 2010 April 12 3:20 am

    Nachtrag: einen kleinen Videomitschnitt der Q&A session nach der Filmpremiere gibt es in unserer FBgruppe http://www.facebook.com/group.php?gid=40769587596#!/video/video.php?v=1395199810012&oid=40769587596

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