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Außer einem einzigen Lächeln

2010 Februar 23
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Rezension zum Film 中国姑娘 She, A Chinese

Der neue Film von Guo Xiaolu erzählt die Geschichte der jungen Chinesin Li Mei. Li Mei scheint es in ihrem Dorf im Süden Chinas nicht zu gefallen. Sie versucht alles um das Land verlassen zu können und schafft es schließlich nach Chongqing, wo sie eine Arbeit als Masseuse in einem Friseursalon annimmt. Dort verliebt sie sich unglücklich in einen mit Narben übersäten Schläger. Sie kommt an Geld, geht nach England und verheiratet sich mit einem älteren Mann, den sie bald darauf wieder verlässt.

Warum tut sie das? Wer ist Li Mei eigentlich? Was sucht sie? Über diese Fragen möchte die Regisseurin den Zuschauer den ganzen Film über grübeln lassen. Denn Li Mei sagt nicht sehr viel, sie hat immer den gleichen Augenausdruck, sie scheint teilnahmslos in ihrer eigenen Geschichte. Und auch mit der Umsetzung des Films muss der Zuschauer zurechtkommen. Der Nacktheit und dem zerrenden Realismus in Form von langen Sexszenen und Brutalität wird Ironie entgegen geworfen. Ein dröhnender Punkrock-Soundtrack von John Parish scheint wie schief draufgeklebt, farbige halbpoetische Zwischentitel und kleine humorvolle Szenen lassen den Zuschauer zwischen Lachen und Weinen stehen. So hinterlässt der Film vielleicht einerseits eine Mischung aus Erschöpfung und Verwirrung, andererseits meint man in diesem Chaos doch eine ungewöhnliche Einheit erkennen zu können.

Bei allen Fragen, die der Film aufwirft, ist eines jedoch für jeden spürbar: Li Meis Gesichtsausdruck. Das Mädchen hat einen Blick, der durch alles hindurch zu gehen scheint, ihre Augenlider drohen über die Augen zu fallen, ihr Körper droht zusammenzubrechen, ihre Schönheit trägt eine schwere Last. Diese sich den ganzen Film fortsetzende Indifferenz von Li Mei lässt den Übergang von China nach England fließend erscheinen. Eine neue Welt lässt Li Mei nicht ihre Augen aufreißen. Es scheint, als wäre alles gleichgeblieben. Es ist dasselbe Glück und Unglück, die gleiche Musik auf ihrem Mp3-Player, die selben nervigen Jobs. Nur eine andere Sprache wird gesprochen und der Kellner schaut fragend, wenn man heißes Wasser bestellt. Ansonsten ist es dieser eine Blick, scheinbar die ganzen 98 Minuten lang. Außer einem einzigen Lächeln. — Till Ammelburg


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